BAUEN WOHNEN DENKEN

Martin Heidegger

Home - zu Hause. Seit jeher hat der Mensch es verstanden, sich einen Raum zu schaffen, in dem er sich sicher und geborgen fühlt. Für sich selbst und erst recht zum Schutz der eigenen Familie. Und heute, in einer immer schnelleren, unsicheren und heraus- fordernden Zeit, die uns allen auch immer mehr an Mobilität abverlangt, wird es für uns zunehmend wichtiger, uns zu Hause fühlen und fallenlassen zu können — ob in unseren eigenen vier Wänden oder auf Reisen im Hotel.

Mit der Zeit wird das eigene Zuhause ein Spiegelbild unseres eigenen Lebens. Es geht nicht mehr um die rationalen Funktionalitäten des Sitzens oder Liegens. Es geht um sehr persönliche, emotionale Erinnerungen an besondere Momente des Lebens oder an besondere Menschen. Solche Stücke, die Geschichten erzählen, geben dem Raum eine ganz besondere Note. Sich an diesen Dingen zu freuen, einen Teil der flüchtigen Vergangenheit für die Zukunft festzuhalten und für die nächste Generation zu bewahren, ist unendlich bedeutend für unsere Lebensqualität- auch wenn viele von uns das erst allzu spät begreifen.

Dr. Christian Kurtzke



HOMEDECO - DIE NEUE WELT DER WOHNACCESSOIRES

1. Was ist das Wohnen?                                                                                                                                    2. Inwiefern gehört das Bauen in das Wohnen?

Im folgenden versuchen wir, über Wohnen und Bauen zu denken. Dieses Denken über das Bauen maßt sich nicht an, Baugedanken zu finden oder gar dem Bauen Regeln zu geben. Dieser Denkversuch stellt das Bauen überhaupt nicht von der Baukunst und der Technik her dar, sondern er verfolgt das Bauen in denjenigen Bereich zurück, wohin jegliches gehört, was ist. Wir fragen:

Was heißt nun Bauen? Das althochdeutsche Wort für bauen, «buan», bedeutet wohnen. Dies besagt: bleiben, sich aufhalten. Die eigentliche Bedeutung des Zeitwortes bauen, nämlich wohnen, ist uns verlorengegangen. Eine verdeckte Spur hat sich noch im Wort „Nachbar“ erhalten. Der Nachbar ist der «Nachgebur», der «Nachgebauer», derjenige, der in der Nähe wohnt.

Die Zeitwörter buri, büren, beuren, beuron, bedeuten alle das Wohnen, die Wohnstätte. Nun sagt uns freilich das alte Wort buan nicht nur, bauen sei eigentlich wohnen, sondern es gibt uns zugleich einen Wink, wie wir das von ihm genannte Wohnen denken müssen. Wir stellen uns gewöhnlich, wenn vom Wohnen die Rede ist, ein Verhalten vor, das der Mensch neben vielen anderen Verhaltungsweisen auch vollzieht. Wir arbeiten hier und wohnen dort. Wir wohnen nicht bloß, das wäre beinahe Untätigkeit, wir stehen in einem Beruf, wir machen Geschäfte, wir reisen und wohnen unterwegs, bald hier, bald dort. Bauen heißt ursprünglich wohnen. Wo das Wort bauen noch ursprünglich spricht, sagt es zugleich, wie weit das Wesen des Wohnens reicht. Bauen, buan, bhu, beo ist nämlich unser Wort «bin» in den Wendungen: ich bin, du bist, die Imperativform bist, sei. Was heißt dann: ich bin? Das alte Wort bauen, zu dem das «bin» gehört, antwortet: «ich bin», «du bist» besagt: ich wohne, du wohnst. Die Art, wie du bist und ich bin, die Weise, nach der wir Menschen auf der Erde sind, ist das Buan, das Wohnen. Mensch sein heißt: als Sterblicher auf der Erde sein, heißt: wohnen. Das alte Wort bauen, das sagt, der Mensch sei, insofern er wohne, dieses Wort bauen bedeutet nun aber zugleich: hegen und pflegen, nämlich den Acker bauen, Reben bauen. Solches Bauen hütet nur, nämlich das Wachstum, das von sich aus seine Früchte zeitigt. Bauen im Sinne von hegen und pflegen ist kein Herstellen. Schiffsbau und Tempelbau dagegen stellen in gewisser Weise ihr Werk selbst her. Das Bauen ist hier im Unterschied zum Pflegen ein Errichten. Beide Weisen des Bauens -bauen als pflegen, lateinisch colere, cultura, und bauen als errichten von Bauten, aedificare - sind in das eigentliche Bauen, das Wohnen, einbehalten. Das Bauen als Wohnen, d. h. auf der Erde sein, bleibt nun aber für die alltägliche Erfahrung des Menschen das im vorhinein, wie die Sprache so schön sagt, «Gewohnte». Darum tritt es hinter den mannigfaltigen Weisen, in denen sich das Wohnen vollzieht, hinter den Tätigkeiten des Pflegen und Errichtens, zurück. Diese Tätigkeiten nehmen in der Folge den Namen bauen und damit die Sache des Bauens für sich allein in Anspruch. Der eigentliche Sinn des Bauens, nämlich das Wohnen, gerät in die Vergessenheit. Dieses Ereignis sieht zunächst so aus, als sei es lediglich ein Vorgang innerhalb des Bedeutungswandels bloßer Wörter. In Wahrheit verbirgt sich darin jedoch etwas Entscheidendes, nämlich: das Wohnen wird nicht als das Sein des Menschen erfahren; das Wohnen wird vollends nie als der Grundzug des Menschseins gedacht [...]



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