Anna-Maria Bogner

geboren 1984 in Tirol
1999–2003 Fachschule für Bildhauerei in Innsbruck, Tirol
2003–2007 Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien (Monica Bonvicini, Franz Graf, Elke Krystufek, Hans Scheirl)
2012 Artist in Residence, Stichting IK, Oost-Souburg, Zeeland, NL
2013 Artist in Residence, Art Affairs Gallery, Art Platform - Los Angeles, CA, USA
lebt und arbeitet in Wien

 

Jede Arbeit ein Gedanke zum Raum

Die Beschäftigung mit Raum und das ihm zugrundeliegende Zusammenspiel sozialer Konstellationen bilden den Hauptbestandteil der künstlerischen Arbeit von Anna-Maria Bogner. In ihren Installationen, Objekten und Zeichnungen widmet sie sich Fragestellungen nach Raumaneignung, Raumgrenzen und Zwischenräumen. Konstitutiv für ihr Schaffen ist die enge Verschränkung von Werk, Wahrnehmung und individueller Verortung zum selben. So wird der Betrachter stets losgelöst von seinem persönlichen Zugang zu den von Bogner geschaffenen Räumen, zum immanenten Bestandteil ihrer Arbeit.


Denn Raum ist in seiner Konstruktion immer an die jeweilige Erfahrung und Situation gebunden. Wie sich dieser Raum beim Einzelnen ausgestaltet bleibt Bestandteil der jeweils persönlichen Aneignung. Doch erst die Auseinandersetzung mit divergierenden Zugängen zu Raum macht die Grenzen eigener ‚Räumlichkeit’ und Wahrnehmung erfahrbar.

Rationalität ist ein bestimmendes Element unserer Gesellschaft. Für den Menschen der versucht, seine Umwelt an seine Bedürfnisse anzupassen, ist zweckorientiertes Handeln ein konstitutives Prinzip sei

 

Rationalität & Raum

Rationalität ist ein bestimmendes Element unserer Gesellschaft. Für den Menschen der versucht, seine Umwelt an seine Bedürfnisse anzupassen, ist zweckorientiertes Handeln ein konstitutives Prinzip seiner Existenz. Unser Handeln ist darauf ausgerichtet, selbst gesetzte Ziele zu erreichen, dient also einem Zweck. So vermuten wir hinter jedem Handeln eine Absicht und hinter jeder Wirkung und hinter jeder Entität eine Ursache. Unser Alltag bestätigt uns darin, dass unsere Ratio unser schärfstes und wichtigstes Werkzeug ist. Sie liegt vielen unserer Entscheidungen zugrunde. Zugleich definiert sie die Grenzen unseres jeweiligen Lebensumfelds. Denn sollte Rationalität ein unserem Denken und Handeln immanentes Prinzip sein, so können wir nicht über sie hinweg. Sie stellt die Grenzlinie zwischen uns und potentiell unendlichen Entitäten dar. Wir brauchen diese Grenzen und wir konstruieren uns weitere, um reale wie soziale Räume in all ihren Dimensionen erfassen zu können. Selbst wenn wir auf das Unendliche verweisen, benutzen wir doch in aller Regel Bilder, mittels derer wir uns die unerfassbare Dimension plastisch vor Augen führen können. Doch auch diese gedanklichen Visualisierungen bleiben vorerst nur ein Verweis auf Unendlichkeit.

 

Es geht also nicht darum Grenzen zu Überschreiten, sondern diese zu erkennen und so einen Blick auf die andere Seite zu erhaschen.

 

So wie ein Test zum farblichen Sehvermögen nicht dazu dient, die Testperson darüber zu belehren, was farbliches Sehen ist, sondern hilft, die Möglichkeiten und Grenzen eigener Wahrnehmung zu erkennen, spielen die gezeigten Arbeiten mit den Grenzen und Möglichkeiten der eigenen Raumwahrnehmung. In welchen Räumen bewege ich mich, wie konstituieren sich meine Räume, welche Räume öffnen sich mir und welche verschließen sich mir durch meine eigene Verortung im Raum? Welche Entscheidungen liegen meiner Raumwahrnehmung zu Grunde? Mit einer theoretisch unendlichen Vielfalt an Entscheidungsoptionen bleibt auch unser Handeln immer ein Verweis auf Grenzen und die Entitäten die dahinter liegen. Raum ist nur eine begrifflich fassbare Unendlichkeit.

The artistic work of Anna-Maria Bogner is driven by a preoccupation with space and its interaction with social configurations.
Rationalität ist ein bestimmendes Element unserer Gesellschaft.