Rudolf Hausner - Adam, der einsame Beobachter

 Gelber Narrenhut, 1955  Tempera und Harzölfarben auf Hartfaserplatte  60 x 52 cm und Adam in einer Grube aufrecht stehend, 1993  Duplex-Platte mit Papier beklebt, Acrylfarben, Harzöllasuren  71 x 70 cm  signiert rechts unten: R. Hausner 93

Walter Schurian, Hausners neue Bilder
Rudolf Hausners Werk ist einzigartig. Alle Versuche, es in die gängigen Kategorien der Kunstgeschichte einzuordnen, müssen mißlingen. Denn schon vor Jahren erkannte Wieland Schmied in Rudolf Hausner den einzigen psychoanalytischen Maler, weil in sein Werk Bewußtsein und Unterbewußtsein gleichwertig eingehen.


Mit Goethe sieht Hausner »in der Gestalt des Menschen den besten Text zu allem, was sich über ihn empfinden und sagen läßt«. Deshalb schuf er nach seinem Ebenbild die Kunstfigur des Adam, weil er niemanden besser kennt und zu vermitteln vermag, als sein eigenes Ich. Mit diesem Leitmotiv hat Hausner eine Gestalt des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts entwickelt: den neugierigen, aufgeklärten, rastlosen, aber auch skeptischen Zeitgenossen, der den Dingen auf den Grund gehen will. Indem wir uns mit ihm identifizieren, weist sein Werk über das Individuelle hinaus. Hausner ist das kollektive Selbstporträt des modernen Menschen gelungen.


Günter Engelhard: »Das Werk des Malers Rudolf Hausner ist eine autobiographische Sensation, Als durch Malerei kontrollierte Lebensgeschichte muß es abseits aktueller Richtungskämpfe gesehen werden. Literaten und Psychologen tun das schon lange. Es könnte aber auch sein, daß die narzißtisch neu bewegte Jugend in den Spacelab-Startlöchern den alten Adam als ihren Kultmaler entdeckt. Das wäre, am Ende des Jahrtausends, die eigentliche Pointe«. In diesem Buch untersucht Walter Schurian, überragender Kenner des Oeuvres, Hausners malerisches Werk der Jahre 1982 bis 1994 und bindet es ein in das Gesamtwerk. In vielen Gesprächen mit dem Künstler konnte Schurian Hausners Vorstellungen ausloten und einbringen.

 

 Endlich! Der lange Gang liegt hinter mir - ich stehe im Freien, 1992  Preßholzplatte mit Papier beklebt, Acryl -  Adam maßvoll, 1993  Duplex-Platte, Acrylgrundierung, Acrylfarben, Harzöllasuren  74 x 76 cm

Neben aller inhaltlichen Bestimmung führt dieses Buch aber auch auf exemplarische Weise die stupende malerische Leistung des Künstlers vor. In zahlreichen großformatigen Farbreproduktionen und Detailabbildungen entfaltet sich dem Betrachter im malerischen Vortrag die Handschrift des Künstlers. Am Ende des Buches steht ein chronologisch geordnetes Werkverzeichnis der Gemälde von 1935 bis 1994.
Adam, der einsame Beobachter, das Individuum, das seine vorläufige Identität gefunden hat, der sich um Eva, die weibliche Gestalt, die Andere, bereichert und erweitert hat, ist nun fast komplett: als Persönlichkeit, als Typus. Adam begibt sich daher auf neue Reisen und Abenteuer, die Suche geht weiter. Daraus ergeben sich neue Spielregeln, auch neue Spielereien. Indem Hausner über sein Selbstporträt Adam zu einem Spiegelbild stilisiert, kann er, der sich wie kaum ein anderer bildender Künstler in diesem Jahrhundert intensiv damit beschäftigt hat, sich nun selbstreflexiv gegenübertreten. Die Schaffung von Selbstbildnissen ist auch ein Ausdruck solcher Selbstreflexion, es ist die Möglichkeit, das Innere nicht nur nach außen zur Schau zu stellen, sondern es in Form der Verspiegelbildli-chung zum Anlaß neuer Entdeckungen zu machen.


Um der Vielfalt solcher Reflexionen und Selbstreflexionen Herr zu werden, um diese auf einen Punkt zu bringen, kann es dienlich sein, die Summe aller Sichtweisen einzugrenzen. Und dazu müssen sie gerahmt werden im buchstäblichen und im übertragenen Sinn. Ein Spiegel, der ohne Rahmen seinen Raum ins Unendliche erweiterte, böte keine Möglichkeit mehr zur Selbstreflexion. Der besäße keine Fläche zur Projektion, seine Grenzen blieben fließend, reichten ins Unendliche. Das Bild des Malers benötigt demgegenüber einen, benötigt den Rahmen. [...]