Was soll ich tun?


Am Anfang steht eine Frage.


Außer den Theologen und den Vertretern der phantastischen Literatur werden nur wenige daran zweifeln, dass die Hauptzüge unseres Universums ein tiefer Mangel an Sinn und das Fehlen jeden erkennbaren Zwecks sind. Und doch sammeln wir unermüdlich, mit verblüffendem Optimismus, jeden Schnipsel Information, den wir bekommen können, in Schriftrollen und Büchern und Computerchips, Regalbrett um Regalbrett, ob materiell, virtuell oder in welcher Gestalt auch immer, versuchen verzweifelt, der Welt einen Anschein von Sinn und Ordnung zu geben, obwohl wir doch haargenau wissen, dass – auch wenn wir noch so gern das Gegenteil glauben möchten – all unsere Unternehmungen zum Scheitern verurteilt sind.

Warum also tun wir es trotzdem? Zwar wusste ich von Anfang an, dass die Frage wohl unbeantwortet bleiben würde, aber die Suche allein schon schien mir ein lohnendes Ziel. Das vorliegende Buch ist die Geschichte dieser Suche.

Nicht um eine säuberliche Folge von Daten und Namen sollte es gehen, als ich mich vor etlichen Jahren an die Abfassung dieses Buches machte, nicht um einen weiteren Bandüber die Geschichte der Bibliothek, sondern ich wollte einfach nur über mein eigenes Staunen schreiben. »Gewiss sollten wir es doch sowohl anrührend als auch anregend finden«, schrieb Robert Louis Stevenson vor über einem Jahrhundert, »dass auf einem Gebiet, auf dem Erfolg nicht zu erwarten ist, die menschliche Rasse trotzdem ihre Bemühungen nicht aufgibt.


 Alberto Manguel, die Bibliothek bei Nacht



 

Epikur war ein griechischer Philosoph und Begründer des Epikureismus.

Carpe diem - nutze den Tag

Epikurs Ethiklehre zielt im Kern auf Erhöhung und Verstetigung der Lebensfreude durch den Genuss eines jeden Tages, womöglich jeden Augenblicks, wie es das Motto des Horaz: carpe diem (nutze den Tag) besagt. Dazu gilt es, alle Beeinträchtigungen des Seelenfriedens zu vermeiden bzw. zu überwinden, die aus Begierden, Furcht und Schmerz erwachsen können. Die Lust am Leben stetig auszukosten, macht die Kunst des epikureischen Weisen aus.

„Wenn wir also sagen, die Lust sei das Ziel, meinen wir damit nicht die Lüste der Hemmungslosen ..., sondern weder Schmerz im Körper noch Erschütterung in der Seele zu empfinden. Denn nicht Trinkgelage ... auch nicht das Genießen von allem übrigen, was eine aufwendige Tafel bietet, erzeugen das lustvolle Leben, sondern ein nüchterner Verstand, der die Gründe für jedes Wählen und Vermeiden aufspürt ..."

Daraus folgt das Bild der epikureischen Weisen, der in ataraxia (das Ungestörtsein), in unerschütterlicher „Seelenruhe“ lebt.

- Ausgeglichenheit,   Selbstbeherrschung   und   Bescheidenheit
- die  Abwägung  von Genüssen; vernünftiger Gebrauch von Lust
- keine Furcht vor den Göttern.....
- Leugnung  der Unsterblichkeit der Seele und damit verbunden keine Furcht vor dem Tode, die wiederum nur  Unlust verursachen würde




Philosophie des Glücks
Glücksbegriff und Glücksstreben in der Philosophie

Philosophie spielte bereits in der griechischen Antike die Rolle eines Wegweisers zur Lebenskunst, die ihrerseits als Grundlage eines glückenden Daseins galt. Dabei sind die Ratschläge der Alten zur Lebenskunst noch immer beachtenswert, weil auf diesem Feld – anders als in den modernen Wissenschaften – nicht die immer neuen Entdeckungen und Erfindungen dominieren: „Die zwei entscheidenden Faktoren, die Herausforderungen des Lebens und die glückstauglichen Antworten, sind wegen ihres Zusammenhangs mit der Conditio humana in ihrem Kern kultur- und epochenunabhängig.“

 

Das Wort „Glück“ kommt von mittelniederdeutsch gelucke (ab 12. Jahrhundert) bzw. mittelhochdeutsch gelücke. Es bedeutete „Art, wie etwas endet/gut ausgeht“. Glück war demnach der günstige Ausgang eines Ereignisses. Voraussetzung für den „Beglückten“ waren weder ein bestimmtes Talent noch auch nur eigenes Zutun. Dagegen behauptet der Volksmund eine mindestens anteilige Verantwortung des Einzelnen für die Erlangung von Lebensglück in dem Ausspruch: „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Die Fähigkeit zum Glücklichsein hängt in diesem Sinne außer von äußeren Umständen auch von individuellen Einstellungen und von der Selbstbejahung in einer gegebenen Situation ab.

 

Was den antiken Glücksbegriff vom modernen tendenziell unterscheidet, liegt in dem Bemühen der frühen Philosophen, objektive Glücksmaßstäbe zu entwickeln (d. h. äußere Güter oder innere Haltungen des Menschen), aus deren Erfüllung das Lebensglück abzuleiten sei („Erfüllungsglück“), während die moderne Auffassung eher von subjektiven, episodischen Eigenbewertungen der Individuen ausgeht („Empfindungsglück“): „Die enorme Bedeutung der modernen Subjektivierung des Glücks wird etwa im politischen Liberalismus erkennbar. Zentrale Merkmale der liberalen Demokratie sind ja ihre Offenheit gegenüber unterschiedlichen Auffassungen vom guten Leben und ihre prinzipielle Neutralität gegenüber divergierenden Glücksvorstellungen.“ 

 

“Viele Tätigkeiten des menschlichen Lebens können bewusst oder unbewusst als Strategien verstanden werden, Stimmungen zu verändern".

 

„Alles,  vom  Lesen  eines  Romans  oder vom  Fernsehen  bis  zu  den Aktivitäten und Freuden,  für die wir uns entscheiden, kann als ein Bemühen aufgefasst werden, zu erreichen, dass wir uns besser fühlen".

 

"Alles was Menschen, vom Arbeiter/Unternehmer, vom Wissenschaftler/Philosophen tun, kann als ein Bemühen aufgefasst werden, zu erreichen, ihren Machtbereich zu erweitern". Macht gibt uns das Gefühl das Leben im Griff zu haben. Macht über das Leben, den Tod und vielleicht darüber hinaus! Nicht nur der Intelligentere hat Macht, sondern auch der Stärkere hat Macht!

 

"Lasst euch nicht verführen, lasst euch nicht betrügen, lasst euch nicht vertrösten."

Bert Brecht

“Vor allem die Diktatoren wissen, warum sie immer und in jedem Fall für Spiel und Sport sind: es unterhält, benebelt und verdummt."

Thomas Bernhard


 

Robert Pfaller

Plädoyer für die Maßlosigkeit - Über das gute Leben

Wir mäßigen uns heute maßlos. Erstaunlich, auf was wir alles verzichten. Liegt es daran, dass wir nur in der feiernden Gruppe das Leben genießen können - unsere Kultur aber immer weniger gesellige Gebote bereitstellt?


Wenn die Frage, wofür es sich zu leben lohnt, zunächst als anspruchsvolle philosophische Herausforderung erscheinen mag, so fallen doch die Antworten gar nicht schwer: mit Freunden ein Gespräch beim Kaffee führen; eine Aussicht genießen; eine Runde schwimmen; in angenehmer Gesellschaft ein Glas Wein trinken; Momente der Zärtlichkeit oder der Liebe etc. Solche Momente geben uns Gelegenheit, zu bemerken, dass sich das Leben lohnt; möglicherweise auch in vielen seiner übrigen Momente. Aber nur, wenn wir das bemerken können, lohnt sich das Leben. Darum sind die genannten Gelegenheiten entscheidend.


Wofür es sich zu leben lohnt ist etwas ganz anderes als die Frage, wozu es sich zu leben lohnt [...]

 

  

Buddhismus

Das Dharmachakra (Rad der Lehre) ist das Symbol der Lehre Buddhas. Die acht Speichen des Rades weisen auf den Edlen Achtfachen Pfad hin.


Grundlage der buddhistischen Praxis und Theorie sind die Vier Edlen Wahrheiten: Die Erste Edle Wahrheit, dass das Leben in der Regel vom Leid (dukkha) über Geburt, Alter, Krankheit und Tod geprägt ist; die Zweite Edle Wahrheit, dass dieses Leid durch die Drei Geistesgifte Gier, Hass und Verblendung verursacht wird; die Dritte Edle Wahrheit, dass zukünftiges Leid durch die Vermeidung dieser Ursachen nicht entstehen kann bzw. aus dieser Vermeidung Glück entsteht und die Vierte Edle Wahrheit, dass die Mittel zur Vermeidung von Leid, und damit zur Entstehung von Glück, in der Praxis der Übungen des Edlen Achtfachen Pfades zu finden sind. Diese bestehen in: Rechter Erkenntnis, rechter Absicht, rechter Rede, rechtem Handeln, rechtem Lebenserwerb, rechter Übung, rechter Achtsamkeit und rechter Meditation, wobei mit recht die Übereinstimmung der Praxis mit den Vier Edlen Wahrheiten, also der Leidvermeidung gemeint ist.

 

 

 

Ajahn Sumedho (* 1934 in Seattle, Washington) ist der Abt des Klosters Amaravati in Hemel Hempstead. Er lehrt den buddhistischen Zweig des Theravada in der Waldtradition. Ajahn bedeutet Lehrer.

Die vier edlen Wahrheiten

Ajahn Sumedho

Sinnenfreuden sind immer vergängliche Freuden.

Was immer wir sehen, hören, berühren, schmecken, denken oder fühlen, ist vergänglich – dem Tode geweiht. Indem wir also an den vergänglichen Sinnesempfindungen anhaften, haften wir am Tod. Wenn wir das nicht kontempliert und verstanden haben, haften wir einfach blind an der Vergänglichkeit und hoffen, dass wir sie für eine Weile abwehren können. Wir geben vor, mit den Dingen, an denen wir haften, wirklich glücklich werden zu können – nur um uns schließlich desillusioniert, verzweifelt und enttäuscht zu fühlen. Vielleicht gelingt es uns, zu werden, was wir sein wollen, aber auch das ist vergänglich. Wir haften nur an einem anderen dem Tod geweihten Zustand. Mit dem Verlangen zu sterben, könnten wir an Selbstmord oder Vernichtung anhaften – aber selbst der Tod ist nur eine weitere dem Tod geweihte Bedingtheit. Woran wir innerhalb der drei Arten von Verlangen auch anhaften, wir haften damit am Tod an – was bedeutet, dass wir Enttäuschung oder Verzweiflung erleben werden.


Geistiger Tod ist Verzweiflung; Depression ist eine Art Todeserfahrung des Geistes. So wie der Körper einen physikalischen Tod stirbt, stirbt der Geist. Geistige Zustände und Bedingungen sterben; wir nennen es Verzweiflung, Langeweile, Depression und Qual. Wann immer wir anhaften, wenn wir gerade Langeweile, Verzweiflung, Qual und Kummer erleben, suchen wir gewöhnlich [...]