Martin Heidegger
 
Worauf der Mensch zeigt und es so erscheinen läßt, ist das „Sein“


Die Entbergung des sich Verbergenden


Was zu denken gibt, ist ein „Bedenkliches“. Bei Dichten und Denken geht es jeweils um Sprache, sofern sich uns in dieser etwas "zuspricht". Denken wird dann zu „Dank“ und "andenken" vor allem an das „Wesen“ des Menschen. Gedächtnis ist die Versammlung des Denkens auf das, was überall im voraus schon bedacht sein möchte. Mythos heißt: das sagende Wort. Sagen ist für die Griechen: offenbar machen, erscheinen lassen, nämlich das Scheinen und das im Scheinen, in seiner Epiphanie, Wesende. Μύθος ist das Wesende in seiner Sage: das Scheinende in der Unverborgenheit seines Anspruchs. Was zu denken gibt, worauf der Mensch zeigt und es so erscheinen läßt, ist das „Sein“. Die Erörterung des Verhältnisses von Denken und Sein ist Sache der „Logik“. Diese steht aber im Geheiß des lógos, d.h. dessen, was Parmenides zu denken gab. Diese Kenntnisse der Logik werden erst in allerjüngster Zeit wissenschaftlich fruchtbar gemacht und zwar in einer besonderen Wissenschaft, die sich »Logistik« nennt. Die Logistik gilt jetzt vielerorts, schon als die einzig mögliche Gestalt der strengen Philosophie, weil ihre Ergebnisse und ihr Verfahren sogleich einen sicheren Nutzen für den Bau der technischen Welt abwerfen. Dies ist vor allem jene Erfahrung vom „Anwesen des Anwesenden“, vom „Zwiespalt von Seiendem und Sein“. Auch gegenüber der Technik als dem Ins-Anwesen-bringen vermögen wir vielleicht dem, was uns denken heißt, zu entsprechen. Die Aus-ein-ander-Setzung von Wissenschaft, Technik, Metaphysik und Denken gehört zum großen Wirkungsbereich des späten Heidegger.