Was kann ich wissen?

Am Anfang war das Chaos.
Aufgabe und Inhalt jeder wissenschaftlichen Theorie, jeder Schöpfunggeschichte ist es, dieses Chaos zu überwinden und in eine Ordnung umzuwandeln.
 
Die Frage nach der Entstehung der Welt gehört zu den Urfragen der Menschheit. Schöpfungsmythen sind archaische Weltmodelle. Über sie verständigte sich der frühe Mensch über Ursprung und Aufbau der Wirklichkeit und seinen Platz in ihr. Alle Schöpfungsmythen der Menschheit haben eines gemeinsam: sie zeugen vom Weg aus dem Chaos in ein geordnetes Dasein. Tun, als Handlungsmuster, das Sicherheit und Orientierung gibt. Heute versucht die Wissenschaft mit der  Urknalltheorie einen neuen Weg aus dem Chaos zu zeigen. Aber wissen wir wirklich mehr?

Unter Umständen gibt es nur einige wenige Gesetze, die in sich schlüssig sind und zu so komplizierten Wesen wie uns führen, die nach dem Wesen Gottes fragen können. Und selbst wenn es nur einen einzigen Kodex möglicher Gesetze gibt, so ist es doch nur ein Kodex von Gleichungen. Was haucht ihnen Leben ein und liefert ihnen ein Universum, dessen Abläufe sie bestimmen können? Auch wenn die Wissenschaft möglicherweise das Problem zu lösen vermag, wie das Universum begonnen hat, nicht beantworten kann sie die Frage: Warum macht sich das Universum die Mühe zu existieren? Ich kenne die Antwort nicht.

Stephen Hawking - Einsteins Traum

 

 . . . . ich halte das Leben für bedeutungslos - aber wir geben ihm Bedeutung, solange wir existieren. Ein völlig zweckloses Geschöpf, das sein Spiel grundlos zu Ende spielen müsse [...] Francis Bacon
. . . . ich halte das Leben für bedeutungslos - aber wir geben ihm Bedeutung, solange wir existieren. Ein völlig zweckloses Geschöpf, das sein Spiel grundlos zu Ende spielen müsse [...] Francis Bacon

Eine „postmoderne Biologie“?

 

Andreas Weber

Unsere Welt, so scheint es, ist wieder ein Stück lesbarer geworden. Die etwa dreißigtausend Erbanlagen des Menschen sind entschlüsselt. Die Substanz, nach deren Instruktionen sich unser Körper zusammenfügt, läßt sich bald programmieren und steuern. So viel erhofft die Biologie von diesen Erkenntnissen, mit denen sie zur Leitwissenschaft des 21. Jahrhunderts aufsteigt, daß ganze Völker ihr Erbmaterial an der Börse handeln.

Der Code der Schöpfung ist digital. Das Erbgut ist in Buchstaben geschrieben, in wortanalogen Basen-„Tripletts“. Damit scheint der alte und hartnäckige Wunsch nach Transparenz des Kosmos in seinen Gesetzen, nach einer Hierophanie des wortförmigen Gottes realisierbar. Blumenberg nennt das die abendländische Leitmetapher der „Lesbarkeit der Welt als Kontinuität des Begehrens nach dem Verstehen der Welt“. Sie behauptet sich von der Platonischen Rationalität über das Aneignungsideal Bacons bis in das Selbstbewußtsein der modernen Naturwissenschaft hinein. Das Paradigma des Lesens ist die Sprache. Und so scheint es, als hätte sich in der Sequenzierung des Genoms endlich die Kluft zwischen Empirie und Idealismus geschlossen, die Natur- und Geisteswissenschaft im zu Ende gegangenen Jahrhundert immer tiefer voneinander gespalten hatte. Das Substantielle sei Diskurs, behaupten jetzt gleichsam auch die Genetiker.

Damit hätte sich Cassirers Diktum vom Menschen als „animal symbolicum“auf überraschende Weise bestätigt. Die Genetik, so beobachten bereits Blumenbergund später Emmeche und Hoffmeyer, ist eine implizite Zeichentheorie: die Basentripletts agieren als Symbole für Eiweißbausteine, sie werden vom zellulären Gefüge abgelesen und finden ihre Bedeutung im Aufbau des Organismus. Über den semiotischen Code des Genoms eignet Kultur sich Natur an [...]


Der Begriff der Hierophanie in der Bedeutung des „Aufscheinen des Heiligen im Profanen“ wurde von Mircea Eliade 1949 in seiner Abhandlung über die Geschichte der Religionen („Die Religionen und das Heilige“) geschaffen. Eliade vertrat die Ansicht, dass so genannte Heiligenerscheinungen auf bereits in der Antike erfolgte Fortentwicklungen des (frühen indogermanischen) Schamanismus zurückgehen.

 

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Vom Ursprung des Universums

Einsteins Traum - Stephen Hawking
. . . Einsteins Traum - Hawking

Siegfried Klaschka

Wiebke Ziegler

Der Urknall

Der griechische Philosoph Aristoteles war der Ansicht, dass die Welt schon ewig existieren würde und auch nie untergehen könnte. Die Anhänger unterschiedlicher Religionen glaubten dagegen daran, dass eine höhere Macht das Universum zu einem bestimmten Zeitpunkt geschaffen hat. Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich schließlich die Theorie, die bis heute gültig ist und von der Wissenschaftler überzeugt sind, dass sie den Ursprung des Universums am besten erklärt – die Theorie vom Urknall.

 

Das Universum ist 14 Millionen Jahre alt

Alles begann vor etwa 14 Milliarden Jahren. Zu diesem Zeitpunkt war das Universum unendlich klein und unendlich heiß. Dann explodierte die komprimierte Energie innerhalb von Sekundenbruchteilen und dehnte sich in unendlicher Geschwindigkeit aus [...]


 

Francisco Javiar Varela Garcia

Das Gespenst der Bodenlosigkeit

Wir beginnen nun zu erkennen, daß wir nicht festen Boden, sondern eher Treibsand unter den Füßen haben. Bei unserer Analyse der unmittelbaren Erfahrung stellten wir fest, daß Kognition vor dem Hintergrund einer Welt emergiert, die zwar unsere individuellen Grenzen überschreitet, sich aber nicht von unserer Verkörperung trennen läßt. Als wir uns von dieser grundlegenden Zirkulatität abwandten, um ganz den Bewegungen der Kognition zu folgen, fanden wir dort keine subjektive Grundlage, kein festes, bleibendes Ich-Selbst vor. Als wir eine objektive Grundlage suchten, trafen wir eine Welt an, die durch unsere Geschichte der strukturellen Koppelung inszeniert wird. Schließlich sahen wir, daß diese verschiedenen Formen der Bodenlosigkeit zu einer einzigen verschmelzen: Organismus und Umwelt sind ineinander eingefaltet und entfalten sich auseinander in der grundlegenden Zirkularität, die das Leben selbst darstellt.

 

Die Kognition als Inszenierung verweist direkt auf das Thema unserer Betrachtung. Welten, die durch Geschichten der strukturellen Koppelung inszeniert werden, sind zwar der wissen-schaftlichen Analyse zugänglich, haben aber weder ein festes, beständiges Substrat noch eine Grundlage, sind also letzten Endes bodenlos. Mit dieser Bodenlosigkeit, müssen wir uns nun gezielt befassen. Wie können wir, wenn unsere Welt grundlos ist, unsere alltägliche Erfahrung in dieser Welt begreifen? Unsere Erfahrung wirkt gegeben, unerschütterlich und unwandelbar. Wie können wir also die Welt anders erfahren als unabhängig und wohlfundiert [...]

 

Die frühere scharfe Trennung zwischen anorganischer und organischer Chemie hatte einen gewichtigen Grund: In der unbeeinflussten Natur entstehen organische Verbindungen nur durch Aktivität der Organismen. Mit dem Tod des Organismus setzt der umgekehrte Prozess ein: Die organischen Stoffe zerfallen in ihre anorganischen Bestandteile. Als der Chemiker F. Wöhler 1828 das eindeutig anorganische Ammoniumcyanat in die organische Verbindung Harnstoff umwandelte, war dieser grundsätzliche Unterschied nicht mehr gegeben. Durch zielstrebige und planvolle Tätigkeit ist man heute in der Lage, zahlreiche organische Verbindungen zu synthetisieren. Unabdingbar ist dabei die Kenntnis von Chemie und Verfahrenstechnik, kurz: der Einsatz von Geist.

 

Betrachten wir nun die Lebewesen, so stellen wir fest, dass es auf der physikalisch-chemischen Ebene in Pflanzen und Tieren und beim Menschen keine Prozesse gibt, die den physikalischen und chemischen Vorgängen außerhalb lebender Organismen widersprechen. Die bekannten Naturgesetze haben auch hier ihre volle Gültigkeit. Zwischen unbelebter Materie und der Materie in Lebewesen gibt es somit keinen prinzipiellen Unterschied auf der Ebene von Chemie und Physik. Die neodarwinistischen Ansätze über die Entstehung erster Lebewesen [...]

 


Bernd Leitenberger

Die Entstehung des Lebens auf der Erde

 

Was zwingt, was verspricht, oder was erhofft sich eine organische Verbindung sich zu Zellen, zu den ersten Lebewesen zu vereinigen?

L. S.

 

Wir wissen noch nicht, wie und wann das Leben auf der Erde entstanden ist; und vielleicht werden wir es auch niemals herausfinden: Die Entstehung des Lebens war ein historischer Vorgang. Wir können aber untersuchen, wie es entstanden sein könnte und die Mechanismen verstehen, die dazu führen, dass aus anorganischer Materie Leben entsteht. Dazu gibt es plausible Erklärungsansätze. Und eines ist sicher: Seit irgendwann vor 4,4 bis 3,4 Milliarden Jahren gab es Leben auf der Erde...

 

Von den Biomolekülen zum ersten Leben

Nun kommt ein sehr großer Schritt. Während wir im Labor aus der Uratmosphäre einfache Kohlenhydrate, Purine oder Aminosäuren bilden können, sind unseren experimentellen Möglichkeiten daraus Leben zu bilden Grenzen gesetzt. Hier können wir nur Überlegungen anstellen. Selbst das einfachste Leben unterscheidet sich in seiner Komplexität enorm von einfachen Molekülen. Die folgende Übersicht soll die grundlegenden Schritte vom Molekül zum Lebewesen aufzeigen, wobei jeder Schritt den vorhergehenden voraussetzt [...]